Ein surrealer Traum

Eine Gruppe in helle Felle gekleideter Männer mit aufgrund der beissenden Kälte vermummten Gesichter hetzt auf Schneeschuhen durch eine tief verschneite Talsenke. Voran ein Hundeschlitten, gezogen ausschließlich von hellgrauen und weissen Huskies. Die Landschaft ist völlig weiss im Schnee versunken, nur selten kommen die schnell, ja schon hastig vorwärtseilenden Männer in einiger Entfernung an einem einsamen Gehöft vorbei.

Da führt ihr Weg sie nahe an eine Hütte aus Brettern heran, vor der eine hochgewachsene Frau eine Arbeit verrichtet.

Die Männer packen sie, zerren der Frau die Kleider vom Leib bis auf ihre fellene Mütze und die ebenso in Felle gekleideten Füsse und binden ihr mit einem groben Strick die Hände. Die Frau lässt das kaum gerührt und nur mit wenig Widerstand, eher einem leichten Sträuben über sich ergehen als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Und auch für mich in diesem Traum fühlt es sich völlig normal an.

Unter ihrer Fellmütze quillt ihr bis zu ihrer Taille reichendes , pechschwarzes, glattes Haar hervor und ihr schwarzes, ausgesprochen frauliches und volles Schamhhardreieck sticht über ihrer über alle Maßen hellen Haut hervor als wäre es der Mittelpunkt all dieser gesamten ansonsten blendend-weissen Szenerie.

Sie gliedert sich wortlos, so wie auch alle die ganze Zeit wortlos sind, in die Kette des Hundeschlitten und der Männer dahinter ein. Von nun an macht der Trupp einen Schwenk und strebt kerzengerade den steilen Berghang durch den knietiefen Schnee empor. Ein frontaler Kampf gegen die Natur, auch für die Hunde und die Männer. Irgendwann scheinen die Kräfte der Frau zu schwinden und sie fällt im Trupp zurück. Ich bin an ihrer Seite. Jedoch ohne sie zu berühren.

Sie beginnt sich gegen mich zu lehnen, sich auf mich zu stützen soweit ihr das gelingt mit den gefesselten Händen. Immer mehr. Ich lasse es geschehen. Bis ich zusammenbreche und sie mich mit ihrem Körper und ihrer Haarfülle unter sich begräbt.

Ich scheine in eine Art Ohnmacht gefallen zu sein, denn ich erwache noch im Traum daran, zu versuchen, etwas auszuspucken, was etwa die Größe einer Münze hat, die Stärke einer Brotscheibe und den Geschmack von edlem Marzipan. Etwas weisses natürlich. Es ist ihr Ohrläppchen. Und sie liegt tot auf mir, um mich herum, als umarme sie mich mit ihrem Körper. Seltsam friedlich, wie eingeschlummert.

Das ist der Moment an dem ich erwachte.

Ganz selten, dass ich mich an einen Traum erinnere…

-> Alltägliches<

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2 Gedanken zu “Ein surrealer Traum

  1. Jetzt musste ich aber breit grinsen:

    Der Frankfurter Sozialphilosoph Adorno hat seine eigenen Träume protokolliert, das allein ist schon eine ausgefallene Leistung. Aber wenn man sich bewusst macht, mit welcher Akribie manche der unglaublichsten Phantasien in diesem Buch ausgebreitet werden, dann wird schon sehr klar, wie Theodor W. selbst im Unterbewusstsein an seinem Nachruhm gearbeitet haben muss.

    Neben den Schilderungen von mysteriösen Puffbesuchen mit intellektuellem Anstrich, dem Reiz des Rätselratens um seine diversen anonymen Geliebten und den herrlich witzigen Wortspielereien lassen die Beschreibungen bürgerlicher Freuden wie Straßenbahn fahren oder Verwandte besuchen ein großes Stück persönlichen Lebens von Adorno miterleben.

    Besser als in jeder Biographie kann man hier aus des Autoren eigener Feder erfahren, was ihn wohl wirklich bewegt hat – oder bewegt haben sollte.

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